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Nachhaltige Unternehmensfinanzierung – Quo vadis?

Kapitalmarktfinanzierung

18. Juni 2021

Nachhaltige Finanzierungsinstrumente boomen. Viele bürokratische Hürden stehen den Finanzverantwortlichen in den Unternehmen allerdings noch im Weg. Die Politik muss handeln und die ESG-Regulierung praxisgerechter gestalten.

Egal, ob Porsche Maschinen für die Fertigung des neuen elektrischen Taycan kauft oder Biontech neue Produktionswerke für seinen Corona-Impfstoff baut, Unternehmen brauchen Geld, um ihre Projekte und Ideen zu finanzieren. Dieses besorgen sie sich klassischerweise über Bankkredite oder eine Kapitalmarktfinanzierung, also über die Ausgabe von Aktien oder Anleihen.

Grüne Anleihen spielen dabei eine immer größere Rolle. Nachdem 2007 die Europäische Investitionsbank den Startschuss bei Green Bonds gegeben hat, emittierte sechs Jahre später das schwedische Immobilienunternehmen Vasakronan zum ersten Mal eine grüne Unternehmensanleihe. Im September 2020 brachte die deutsche Bundesregierung ihre erste grüne Anleihe auf den Markt. Das Interesse daran war riesig. So überstieg die Nachfrage das Angebot um den Faktor fünf. Das zeigt: Nachhaltigkeit am Kapitalmarkt boomt.

Doch noch immer ist der Bereich nachhaltiger Anleihen eher ein Nischenmarkt. Während 2020 das gesamte Emissionsvolumen von Anleihen in Euro mehr als 3,5 Billionen Euro betrug, wurden ESG-Anleihen „nur“ in einem Volumen von 220 Milliarden Euro aufgelegt.

Wo der Schuh bei Sustainable Finance drückt

In unserer Studie „Unternehmensfinanzierung im Zeichen der Nachhaltigkeit – Was ESG für Finanzverantwortliche in der Praxis bedeutet“, sind wir gemeinsam mit der Börse Stuttgart deshalb der Frage nachgegangen, wie Unternehmen mit nachhaltigen Finanzierungsinstrumenten umgehen und wie sie diese bewerten. Unter nachhaltigen Finanzierungsinstrumenten verstehen wir dabei Finanzierungen, die mit der Verfolgung eines bestimmten Projekts verbunden sind, wie Green oder Social Bonds. Aber auch Anleihen, Kredite und Schuldscheindarlehen, die an die Erfüllung bestimmter ESG-Kriterien gebunden sind, fallen darunter. Die Studie zeichnet ein aktuelles Stimmungsbild der rund 40 befragten Unternehmen.

Pro und Contra nachhaltige Finanzierungen

Was aber sind die Gründe, die Unternehmen bewegen, nachhaltige Finanzierungsinstrumente zu nutzen? Oder: Was hält sie davon ab? Die Studie zeigt, dass Unternehmen, die auf nachhaltige Finanzierungsinstrumente setzen, sie als einen Bestandteil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie sehen. Sie sind von der Sinnhaftigkeit dieser Instrumente überzeugt.

Dagegen halten zusätzliche Kosten und aufwendigere Prozesse bei nachhaltigen Finanzierungen viele Unternehmen von ihrer Nutzung ab. Sie halten die Finanzierung über klassische Finanzierungsformen für ausreichend und wollen deswegen den erhöhten Aufwand nicht betreiben. Aber auch die Projektbindung grüner Anleihen, also die direkte Zuordnung der Finanzierung zu nachhaltigen Projekten, macht sie für eine Vielzahl von Unternehmen unattraktiv. Sie verfügen schlicht nicht über entsprechend große Projekte wie beispielsweise Windparks.

ESG-Regulierung muss praxisnäher werden

Aus der Studie wird deutlich, dass das Thema Nachhaltigkeit in den Finanzabteilungen der Unternehmen angekommen ist. Bürokratische Vorgaben machen jedoch nachhaltige Finanzierungsinstrumente unattraktiver.

Mit Blick auf den anstehenden Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen, CO2-armen Wirtschaft muss die Politik jetzt handeln. Dokumentations- und Offenlegungspflichten müssen schlank sein, um den Unternehmen den Schritt in die nachhaltige Finanzierung zu erleichtern. Der zukünftige EU Green Bonds Standard sollte neben grünen Anleihen mit Projektbindung auch solche umfassen, die beispielsweise an die Nachhaltigkeitsstrategie oder die zukünftige Taxonomie-Berichterstattung der Unternehmen gekoppelt sind. Die Politik ist aufgefordert, die Regeln des Sustainable Finance-Marktes attraktiv und mit Augenmaß zu gestalten, damit die Unternehmen auch das ganze (nachhaltige) Finanzierungsinstrumentarium nutzen können.