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Rentenpolitischer Neustart nötig

Altersvorsorge

28. September 2021

Unserer Rentensystem steht aufgrund der demografischen Entwicklung vor großen Herausforderungen. Trotzdem spielte die Rente im Bundestagswahlkampf eine eher untergeordnete Rolle. Dabei gibt es gute Vorschläge der verschiedenen Parteien, wie die Rente mit Aktien demografiefester und generationengerechter aufgestellt werden kann. Die nächste Bundesregierung ist gefordert, hier den Neustart zu wagen.

Schon jetzt ist klar, in der nächsten Legislaturperiode kann es ein „Weiter so“ in der Rentenpolitik nicht geben. Die demografischen Fakten sind eindeutig. Über das Umlageverfahren finanzieren aktuell zwei Beitragszahler eine Person im Ruhestand. Wenn die „Babyboomer“, also die Jahrgänge von 1950 bis 1964, ab Mitte dieses Jahrzehnts in Rente gehen, verschiebt sich das Verhältnis weiter zu Lasten der Jüngeren. Um das Rentensystem am Laufen zu halten, braucht es bereits jetzt über 100 Milliarden Euro Zuschüsse jährlich, die die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler aufbringen müssen. 2020 entsprach das rund einem Fünftel der Gesamtausgaben des Bundes, Tendenz steigend!

Auch die Bürgerinnen und Bürger haben das Problem erkannt. In einer kürzlich veröffentlichte Forsa-Umfrage sagen 97 Prozent der Befragten, dass „eine tragfähige Rentenreform, die auch künftig für sichere Renten sorgt, ohne die Jüngeren finanziell zu überfordern“ „wichtig“ oder „sehr wichtig“ für sie ist.

Die Rente muss mit Aktien neu justiert werden

Im politischen Berlin scheint es inzwischen immerhin Konsens zu sein, dass die Altersvorsorge in Deutschland weiterentwickelt werden muss. Die Ergänzung des Umlageverfahrens um ein Ansparverfahren mit Aktien spielt in den Wahlprogrammen der meisten Parteien, die aktuell im Bundestag vertreten sind, eine Rolle. Verschiedene Konzepte werden diskutiert, die sich vor allem darin unterscheiden, wie viel Aktienanlage in welcher Säule (gesetzlich, betrieblich, privat) zugelassen werden soll.

Das ist zu begrüßen, zeigt es doch, dass diese Parteien erkannt haben, dass Aktien ein ideales Instrument der Altersvorsorge sind. Aktien werfen attraktive Erträge ab, die die Rente zukunftsfest machen und den Lebensstandard der Menschen im Ruhestand sichern können. Wer – wie bei der Altersvorsorge – langfristig und breit gestreut spart, braucht auch keine Verluste am Aktienmarkt zu fürchten. Wie unser DAX-Rendite-Dreieck zeigt waren alle diejenigen, die in der Vergangenheit Monat für Monat einen festen Betrag in den Deutschen Aktienindex angelegt haben, spätestens nach zwölf Jahren im Plus. Wer länger in Aktien investiert bleibt, konnte sich durchschnittlich über Erträge von sechs bis neun Prozent jährlich freuen.

Das Ausland setzt schon lange auf Aktien in der Altersvorsorge

Andere Länder nutzen deshalb schon lange Aktien in ihrer Altersvorsorge. Beispiele für erfolgreiche Modelle bietet das Ausland. Schweden, Australien oder Großbritannien machen vor, wie die Rente mit Aktien unabhängiger von der demografischen Entwicklung gemacht werden kann. Zwei Bausteine sind von zentraler Bedeutung für den Erfolg: Opt-Out-Regelungen und Standardprodukte.

Damit möglichst viele Menschen vom Aktiensparen profitieren, hat sich die sogenannte Opt-Out-Lösung als Königsweg etabliert. Bürgerinnen und Bürger werden automatisch in das Ansparverfahren einbezogen, wenn sie nicht aktiv widersprechen. Dies lässt sich in allen Säulen der Altersvorsorge umsetzen. So hat beispielsweise Großbritannien ein Opt-Out in der betrieblichen Altersvorsorge eingeführt. Mit dem Ergebnis, dass innerhalb von drei Jahren der Anteil der Menschen, die für die Betriebsrente sparten, um 32 Prozentpunkte stieg. Dies entspricht zehn Millionen zusätzlicher Sparerinnen und Sparer.

Gleichzeitig muss das Aktiensparen kostengünstig, transparent und einfach sein. Das erreicht man mit leicht verständlichen Standardprodukten, die Aktien beinhalten. Diese werden von privatwirtschaftlichen Treuhändern wie Fondsgesellschaften, Versicherungen oder Pensionsfonds bereitgestellt. Staatliche Vorgaben und der Wettbewerb zwischen den Anbietern sorgen für hohe Produktqualität und niedrigen Kosten für die Bürgerinnen und Bürger.

Fazit

Nach der Bundestagswahl brauchen wir einen rentenpolitischen Neustart. Die Lösungen dazu liegen auf dem Tisch. Es ist an der Politik, das heiße Eisen „Rente“ endlich anzupacken und in Form zu bringen. Das Ausland macht es vor, wie mit einfachen, aktienbasierten Konzepten das Rentensystem neu aufgestellt werden kann. Deutschland muss hier endlich nachziehen.