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Nach dem Einstieg des Bundes in das Biotechnologieunternehmen CureVac, das als Impfstoffplattform bekannt ist und derzeit führend einen Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt, plant das Unternehmen nun einen Börsengang in New York. Das Beispiel zeigt, dass Deutschland immer noch kein attraktiver Standort für Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen ist und die Politik endlich handeln muss.

„CureVac zeigt, dass der Börsengang ein idealer Weg zur Finanzierung von Innovation, Wachstum und Beschäftigung ist. Die erneute Wahl der Nasdaq durch ein junges deutsches Unternehmen legt die mangelnde Attraktivität von Börsengängen in Deutschland schonungslos offen. Das muss sich dringend ändern“, fordert Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. „Es mangelt Deutschland nicht nur an Pensionsfonds und anderen Investoren, die in junge Wachstumsunternehmen investieren, es fehlt vor allem auch der richtige regulatorische Rahmen. In Deutschland hat sich deshalb bisher kein funktionierendes Ökosystem mit Verständnis für innovative und kapitalintensive Branchen entwickelt.“

CureVac ist dabei kein Einzelfall. Erst im Juli ging mit Immatics ein anderes deutsches Life Science-Unternehmen von der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet an die US-Technologiebörse Nasdaq. Betrachtet man das gesamte letzte Jahr, fand lediglich eine Handvoll Unternehmen in Deutschland den Weg an die Börse. An der Nasdaq waren es 130 Unternehmen. Auch in Europa finden sich Staaten mit deutlich mehr Börsengängen. Die nordischen Länder, darunter führend Schweden, aber auch Italien waren 2019 mit jeweils über 30 Börsengängen erfolgreicher als Deutschland.

Dietmar Hopp, Mehrheitseigner von CureVac, will Life Science-Unternehmen in Deutschland halten. Er betont: „Wir brauchen ein besseres Umfeld für Life Science-Unternehmen in Deutschland, mehr gesellschaftliche Akzeptanz und politische Unterstützung. Dazu gehören eine Modernisierung des Aktien- und Gesellschaftsrechts in Deutschland sowie bessere steuerliche Rahmenbedingungen.“ Schon als es die ersten Gerüchte gab, die Exklusivrechte an dem Impfstoff an die USA zu verkaufen, lehnte Dietmar Hopp im März vehement ab. „Es kann nicht sein, dass eine deutsche Firma den Impfstoff entwickelt und dieser in den USA exklusiv genutzt wird. Wir wollen in Deutschland und global helfen und freuen uns, dass die Bundesregierung unsere Intention teilt und die Entwicklung des Impfstoffs finanziell unterstützt. Doch für die nächsten Schritte brauchen wir jetzt weiteres Kapital. Das bekommen wir über die Börse. Doch in Deutschland ist das derzeit nicht zu schaffen.“

EU-Nachbarn sind weiter als wir

Der Erfolg von EU-Staaten wie Schweden oder Italien verdeutlicht, dass neben den bürokratischen Vorgaben und steuerlichen Rahmenbedingungen das Altersvorsorgesystem eine große Rolle spielt. So hat die Einführung eines steuerfreien Aktiensparplans in Italien dazu geführt, dass mehr italienische Unternehmen Kapital über die heimischen Börsen aufnehmen können. In Schweden haben Aktien insgesamt einen anderen Stellenwert als in Deutschland, insbesondere durch die positiven Erfahrungen der Menschen mit Aktien in der Altersvorsorge. „Die Beispiele Italien und Schweden zeigen: Politisches Handeln schafft eine positive Einstellung der breiten Bevölkerung zur Aktienanlage und verbessert die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen über die dortigen Börsen signifikant“, führt Bortenlänger aus.

In Aktien angelegte Gelder fließen zumindest zum Teil entweder direkt oder indirekt über Fonds in Börsengänge der heimischen Wirtschaft. Zugleich signalisieren erfolgreiche Börsengänge internationalen Investoren gute Anlagemöglichkeiten. „Es muss endlich auch in Deutschland gelingen, attraktive Rahmenbedingungen für den Börsengang junger Wachstumsunternehmen zu schaffen – CureVac ist ein Weckruf“, so Bortenlänger.

 

Weiterführende Informationen zu den Hindernissen und Hemmnissen von Börsengängen kleinerer und mittlerer Unternehmen:

 

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