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Warum ein höherer Sparerpauschbetrag dem Aktiensparen nichts nützt

 

Laut Koalitionsvertrag will die Bundesregierung den Sparerpauschbetrag auf 1.000 Euro erhöhen. Allerdings wird die Erhöhung nicht dazu beitragen, das langfristige Aktiensparen attraktiver zu machen. Dafür sind Maßnahmen wie die Einführung der Steuerfreiheit von Kursgewinnen oder eines Anlagesparkonto sinnvoller.

Obwohl eine breit gestreute Aktienanlage in der Vergangenheit langfristig Erträge von durchschnittlich sechs bis neun Prozent im Jahr erwirtschaftet hat, besitzen nur etwas mehr als zwölf Millionen Menschen in Deutschland Aktien, Aktienfonds oder aktienbasierte ETFs. Vor allem Geringverdiener nutzen die Vorteile des Sparens mit Aktien noch zu wenig. Eine verlässliche Altersvorsorge und der Aufbau eines finanziellen Polsters werden so nicht gelingen.

Um das zu ändern, hat sich die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag dafür ausgesprochen, die Altersvorsorge neu aufzustellen. Dazu gehört die Erhöhung des Sparerpauschbetrags von derzeit 801 Euro auf 1.000 Euro pro Jahr. Aber was bringt die Erhöhung des Sparerpauschbetrages für Aktiensparer?

Berechnung vergleicht steuerliche Instrumente

In unserer Berechnung haben wir die Entlastungseffekte verschiedener steuerlicher Instrumente für das langfristige Aktiensparen untersucht. Neben der geplanten Erhöhung des Sparerpauschbetrags haben wir den kumulierten Sparerpauschbetrag, die Steuerfreiheit von Kursgewinnen nach einer bestimmten Haltedauer sowie ein Anlagesparkonto miteinander verglichen.

Berechnungsgrundlage ist ein Sparplan, in den monatlich 100 Euro in eine breit gestreute Aktienanlage investiert wurden – bei einer Haltedauer von 20 beziehungsweise 30 Jahren und einer Renditeannahme von sechs Prozent pro Jahr.

Sparerpauschbetrag flop …

Die Berechnung zeigt, dass die Erhöhung des Sparerpauschbetrags auf 1.000 Euro allein keine nennenswerte steuerliche Entlastung für die Aktiensparer bringt. So bleibt einer Aktiensparerin, die das Geld 30 Jahre in einen Aktiensparplan anlegt, bei einem Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro lediglich 600 Euro mehr von den Aktienerträgen als bei einem Steuerpauschbetrag von 801 Euro. Der Grund dafür ist, dass selbst bei geringen jährlichen Sparbeiträgen und kurzen Anlagezeiträumen die Kursgewinne bei Veräußerung der Aktien den Sparerpauschbetrag um ein Vielfaches übersteigen.

Auch der kumulierte Sparerpauschbetrag, bei dem die nicht genutzten Freibeträge eines Jahres in das nächste Jahr mitgenommen werden können, führt in einem Zeitraum von 30 Jahren im Vergleich zu den anderen Steuerinstrumenten zu einem deutlich niedrigeren Nachsteuerertrag.

…Steuerfreiheit von Kursgewinnen oder Anlagesparkonto top

Die Wiedereinführung der Steuerfreiheit von Kursgewinnen nach einer Haltedauer von einem Jahr bietet in Kombination mit dem erhöhten Sparerpauschbetrag dagegen einen deutlich größeren Anreiz, mit Aktien zu sparen. Nach 30 Jahren ergibt sich ein Ertrag von 63.429 Euro. Aktiensparerinnen und -sparer bleiben durch die besseren steuerlichen Rahmenbedingungen rund 10.800 Euro mehr von ihren Aktienerträgen.

Eine vergleichbare Entlastungswirkung ergibt sich für ein Anlagesparkonto, wie es beispielsweise in Frankreich, Großbritannien oder Schweden üblich sind. Sie dienen dem Ansparen eines finanziellen Polsters mit Aktien und anderen Wertpapieren. Die Summen, die regelmäßig gespart werden können, sind in der Höhe begrenzt. Die erzielten Erträge werden entweder reduziert besteuert oder sind von der Steuer freigestellt. Wird die Steuerfreiheit unterstellt, verbleiben dem Aktiensparer nach 30 Jahren fast 12.000 Euro mehr als nach der alleinigen Erhöhung des Sparerpauschbetrags.

Fazit

Die (Wieder-)Einführung der Steuerfreiheit von Kursgewinnen nach einer Haltedauer von einem Jahr oder einem Anlagesparkonto bieten einen echten Anreiz zum langfristigen Aktiensparen. Die Bundesregierung sollte den Sparerpauschbetrag mit einem dieser Instrumente flankieren. So kann der Gesetzgeber das Aktiensparen zum Aufbau eines Finanzpolsters im Alter attraktiver zu machen.

 

Kolumne

Altersvorsorge

Dr. Norbert Kuhn

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Dr. Norbert Kuhn
Leiter Unternehmensfinanzierung
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