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Das Deutsche Aktieninstitut appelliert an die europäischen und britischen Verhandlungspartner, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich endlich auf eine neue tragfähige Grundlage zu stellen. In seinem dritten Positionspapier zu den Brexit-Verhandlungen wird an den Beispielen Zölle und Produktzulassungen sowie Derivate und Datenschutz gezeigt, dass die Unternehmen nicht alle durch den Brexit auftretenden Probleme durch eigene Maßnahmen lösen können.

„Die aktuelle Hängepartie zwischen der EU und dem Vereinigtem Königreich bei der Ausarbeitung eines Handelsabkommens ist ein Trauerspiel. Die Unternehmen diesseits und jenseits des Ärmelkanals stehen vor der unzumutbaren Aufgabe, Lösungen für ihre Geschäftsbeziehungen zu finden, ohne zu wissen, welche Regeln am Tage des Austritts gelten werden,“ betont Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. Nach wie vor sind wichtige Themen ungeklärt, und ein harter, ungeordneter Brexit im März nächsten Jahres scheint kaum noch abwendbar. „Den Unternehmen bleibt nur, sich auf das schlechteste Szenario, einen harten Brexit, vorzubereiten. Aber auch für diesen Fall bedarf es dringend der Unterstützung durch den Gesetzgeber und die Aufsicht,“ so Bortenlänger.

In seinem dritten Positionspapier zum Brexit nimmt das Deutsche Aktieninstitut zu den bei einem harten Brexit drohenden Problemen bei den Themen Zölle und Produktzulassungen sowie Datenschutz und Derivate Stellung. Das Aktieninstitut zeigt anhand dieser Beispiele, was die Unternehmen zur Lösung der Probleme selbst tun können. Es stellt allerdings klar, dass insbesondere im Falle eines harten Brexit die Unternehmen auf die Unterstützung seitens des europäischen bzw. deutschen Gesetzgebers sowie der Aufsicht angewiesen sind. Ohne staatliche Begleitmaßnahmen wird der Übergang in die Nach-Brexit-Ära nicht reibungsfrei zu schaffen sein.

Beispielsweise müssen praktikable Lösungen für die Zollabwicklung und Grenzkontrollen gefunden werden, die der Dimension der EU-UK-Handelsströme Rechnung tragen. So betont Dr. Ralf Thomas, Finanzvorstand der Siemens AG, „Siemens unterstützt fairen und offenen Handel weltweit. Dies gilt auch im Falle eines Brexit. Die Frage, zu welchen Zöllen und Abfertigungsverfahren es an den Grenzen kommen könnte, muss so schnell wie möglich beantwortet werden. Nur wenn Unternehmen Planungssicherheit haben, werden sie auch das Vertrauen haben zu investieren.“

Um Marktverwerfungen und Nachteile für europäische Marktteilnehmer im Derivatebereich zu vermeiden, bedarf es einer Übergangszeit mit Bestandsschutzregelung für bestehende Derivategeschäfte. „Wichtig ist, dass bestehende Absicherungsgeschäfte mit britischen Handelspartnern wahlweise (i) fortgeführt oder (ii) auf deren kontinentaleuropäische Konzerngesellschaften übertragen werden können, ohne dass das Hedge Accounting unter IFRS gefährdet wird,“ unterstreicht Dr. Wolfgang Bohner, Leiter Finanzen und Treasury bei der Deutschen Bahn.

„Aufgrund des hohen Zeitdrucks sowie der vielen offenen Fragen haben wir uns von Anfang an für Übergangsregelungen eingesetzt, um die durch den Brexit drohenden dramatischen Schäden für die europäische Volkswirtschaft abzuwenden,“ so Bortenlänger. Das Deutsche Aktieninstitut fordert die Verhandlungspartner deshalb einmal mehr auf, konstruktive und praxisnahe Lösungen anzustreben, um die negativen Auswirkungen des Brexit zu minimieren.

Die vorliegenden Ergebnisse wurden im Rahmen des Brexit-Projekts des Deutschen Aktieninstituts erarbeitet. Die interdisziplinär besetzte Brexit-Projektgruppe beschäftigt sich mit den wesentlichen finanz- und kapital­marktbezogenen sowie weiteren hochrelevanten Themen, die im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen ein besonderes Augenmerk erfordern. Das aktuelle Positionspapier ergänzt die ersten beiden Positionspapiere aus dem Jahr 2017. Die Projektgruppe wird die Austrittsverhandlungen weiter kritisch begleiten und gegebenenfalls erneut Stellung nehmen.

Das dritte Positionspapier zu den Brexit-Verhandlungen finden Sie hier, die englische Version hier.

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